Wenn Gefahr in der Luft liegt: Schutz bei Industrieunfällen
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Auch wenn der Bergbau weitgehend Geschichte ist: Das Ruhrgebiet bleibt ein wichtiger Standort für die Industrie. Das bringt Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft in die Region, aber auch Risiken. Hier erfahren Sie, was bei einem Industrieunfall zu beachten ist.
Luftqualität früher und heute
Heute ist die Luft im Ruhrgebiet sauberer als früher und der Himmel wieder blau. Vor einigen Jahrzehnten lagen Kohlestaub, Rauch und Abgase noch sichtbar über vielen Städten. Ein Beispiel dafür ist der Smogalarm vom Januar 1985: Damals wurde im Ruhrgebiet erstmals in Deutschland die höchste Alarmstufe ausgerufen.
Das Wetter in den Tagen davor war kalt und windstill. Neben der Industrie liefen die Heizungen auf Hochtouren. Auf den Straßen herrschte viel Verkehr. Die Luft „stand". Schadstoffe blieben wie in einer Käseglocke über der Region hängen. Fabriken und Kraftwerke mussten ihre Produktion drosseln, es galten Fahrverbote, Schulen blieben geschlossen.
Seitdem hat sich viel geändert: Filteranlagen in Industrie und Kraftwerken wurden immer besser. Autos bekamen Katalysatoren. Die Luftqualität insgesamt verbesserte sich.
Das heißt nicht, dass es keine Schadstoffe mehr in der Luft gibt. Die dauerhafte Belastung ist heute jedoch geringer. Akut gefährlich kann es werden, wenn ein Unfall plötzlich größere Mengen gefährlicher Stoffe freisetzt.
Welche gefährlichen Stoffe gibt es?
Fachleute unterscheiden zwischen chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Gefahren. Wir konzentrieren uns an dieser Stelle auf die chemischen Gefahren. Denn in der Industrie spielt Chemie eine besonders große Rolle. Chemische Stoffe können als Gas austreten, als Dampf aufsteigen, als Flüssigkeit auslaufen oder als Staub freigesetzt werden.
Biologische Gefahren können zum Beispiel durch Viren oder Bakterien entstehen. Darum geht es in einem eigenen Artikel. Mehr zum Thema Strahlung – also zu radiologischen und nuklearen Gefahren – erfahren Sie hier.
Wie hoch ist das Risiko eines Industrieunfalls im Ruhrgebiet?
Generell ist das Sicherheitsniveau in deutschen Betrieben hoch. Wer mit potenziell gefährlichen Stoffen arbeitet, muss strenge Auflagen erfüllen. Schwere Störfälle mit Folgen für weite Teile der Bevölkerung sind absolute Ausnahmen. Störfälle, bei denen Anwohner und Anwohnerinnen vorsorglich Fenster und Türen schließen sollen, kommen aber vor. Für das Jahr 2025 zählte das Landesumweltamt fünf „störfallrelevante Ereignisse" in insgesamt 607 Betriebsbereichen in Nordrhein-Westfalen.
Zu den wichtigsten Chemiestandorten in Deutschland zählt der Chemiepark in Marl (Kreis Recklinghausen). Im Frühjahr 2023 brannte es dort in einer Säurefabrik. Für die Anwohner und Anwohnerinnen wurde keine Belastung der Luft festgestellt. Feuer in Industrieanlagen gab es in den vergangenen Jahren auch in Dortmund, Duisburg und Mülheim an der Ruhr. Auch hier wurden keine Gefahren für die Nachbarschaft festgestellt.
Auch wenn schwere Unfälle selten sind, kommen im Ruhrgebiet mehrere Faktoren zusammen: Die Region ist dicht besiedelt. Der Wind kann Gase und Rauch samt Schadstoffen in bewohnte Gebiete wehen. Außerdem ist das Ruhrgebiet ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Auf Autobahnen, Schienen, Flüssen und Kanälen ist auch Gefahrgut unterwegs. Bei einem Unfall könnten diese Stoffe in die Umwelt gelangen.
Woran erkenne ich eine Gefahr durch Industrieunfälle?
Hinweise können eine Rauchwolke, ein beißender Geruch, Nebel, Dämpfe, tränende Augen, Husten oder Atemnot sein. Das muss aber nicht der Fall sein.
Versuchen Sie deshalb nicht, die Gefahrenlage selbst einzuschätzen. Schützen Sie sich vorsichtshalber und achten Sie auf offizielle Meldungen durch Warn-Apps, Sirenen, Lautsprecherdurchsagen und Einsatzkräfte vor Ort.
Was tue ich bei gefährlichen Gasen oder Dämpfen im Freien?
Wichtigste Regel: Gehen Sie so schnell wie möglich in ein geschlossenes Gebäude. Nicht der Rauchwolke folgen, nicht in Richtung Einsatzstelle laufen, um „kurz nachzusehen".
Anschließend:
- Schließen Sie Fenster und Türen.
- Schalten Sie Klimaanlagen und Lüftungen aus. Das gilt auch, wenn Sie sich im Auto befinden.
- Suchen Sie bevorzugt höhere Stockwerke auf. Viele Gase sind schwerer als Luft und sammeln sich eher am Boden.
- Warten Sie auf Anweisungen offizieller Stellen.
Was gilt, wenn die Gefahr im Gebäude ist?
Wenn gefährliche Stoffe im Gebäude austreten, verlassen Sie sofort das Gebäude. Folgen Sie auch hier den Anweisungen der Einsatzkräfte.




