Explosionen und Angriffe: wohin im Ernstfall?
Lesezeit: 4 Minuten | herunterladen
Deutschland ist nicht im Krieg. Doch der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine zeigt: Militärische Gewalt in Europa ist wieder Realität. Bund, Länder und Kommunen bereiten den Schutz der Bevölkerung im Verteidigungsfall wieder stärker vor.
Das soll nicht beunruhigen, sondern helfen, im Ernstfall richtig zu handeln. Dazu gehört auch die Frage, wo Menschen bei Explosionen, Luftangriffen oder schweren Gebäudeschäden Schutz finden können.
Was macht Explosionen gefährlich?
Explosionen können sehr plötzlich auftreten, etwa bei einem Unfall, einem Brand oder einem Angriff. Druckwellen, umherfliegende Trümmerteile und Glassplitter können Menschen lebensgefährlich verletzen. Umso wichtiger ist es, mögliche Warnungen ernst zu nehmen.
Welche Vorwarnungen gibt es bei Explosionen?
Nicht jede Explosion kündigt sich an. Manchmal gibt es aber Warnungen, zum Beispiel durch Sirenen, Warn-Apps, Warnmeldungen auf dem Handy, Lautsprecherdurchsagen oder Einsatzkräfte vor Ort. Feuerwehr und Polizei können Sie auffordern, einen Bereich zu verlassen und Schutz zu suchen. Folgen Sie diesen Anweisungen sofort.
Wo finde ich bei Angriffen und Explosionen Schutz?
In einem geeigneten Raum innerhalb eines Gebäudes sind Sie meist besser geschützt als im Freien. In Deutschland sind Gebäude in der Regel stabil gebaut. Allerdings: Meiden Sie Dachgeschosse: Dachflächen und obere Gebäudeteile sind bei Druckwellen oder Trümmern verletzlicher.
Wichtig: Halten Sie Abstand von Fenstern, Türen und Außenwänden. Fenster können zerbersten, Glassplitter weit in den Raum fliegen. Türen und Außenwände können beschädigt werden. Daher bieten fensterlose Kellerräume häufig den besten Schutz. Gibt es keinen Keller, suchen Sie innenliegende Räume auf wie zum Beispiel Flure und innenliegende Bäder.
Wenn Sie sich unsicher sind: Orientieren Sie sich an der „Zwei-Wände-Regel".
Was ist die Zwei-Wände-Regel?
Gemeint ist: Zwischen Ihnen und draußen sollte nicht nur die Außenwand liegen, sondern mindestens noch eine weitere Wand. Wird die Fassade beschädigt, trifft die Gefahr nicht direkt auf Sie. Die zweite Wand kann Splitter und kleinere Trümmer abbremsen. Zusätzliche Wände bieten zusätzlichen Schutz.
Wo finde ich Schutz bei Explosionen, wenn ich unterwegs bin?
Wenn Sie unterwegs sind, suchen Sie feste Gebäude, Tiefgaragen oder U-Bahn-Stationen auf. Bleiben Sie weg von Glasfronten, Eingängen und offenen Flächen. Nutzen Sie keine Aufzüge.
Gibt es öffentliche Schutzräume?
Wahrscheinlich denken Sie hier sofort an Bunker. In Deutschland gibt es zwar noch rund 580 öffentliche Schutzräume. Viele wurden aber seit Jahren nicht mehr für den Ernstfall gewartet. Sie wären kurzfristig nicht nutzbar.
Bund und Länder prüfen aktuell, welche Gebäude in Zukunft als Zufluchtsorte geeignet sind. Unabhängig davon sollten Sie sich bewusst machen, welche Räume es in Ihrem Wohn- und Arbeitsumfeld gibt, die ggf. einen besseren Schutz bieten, als die eigene Wohnung oder der Keller im Haus (z. B. nahegelegene U-Bahn-Station oder Tiefgarage).
An Kriseninformationszentren und Notfallpunkten informieren die Städte ihre Bevölkerung über geeignete Schutzmaßnahmen und Räume. Eine Übersicht finden Sie hier.
Was tue ich nach einer Explosion?
Verlassen Sie beschädigte Gebäude, wenn das gefahrlos möglich ist. Nutzen Sie Treppen, keine Aufzüge. Halten Sie Abstand zu beschädigten Gebäuden. Teile der Fassade, Dachziegel oder andere Bauteile können auch später noch herabfallen.
Achten Sie auf Gasgeruch, zischende Geräusche, beschädigte Leitungen oder offene Kabel. Benutzen Sie keine Feuerzeuge oder Streichhölzer. Berühren Sie keine verdächtigen Gegenstände und Informieren Sie gegebenenfalls die Einsatzkräfte.
Was tue ich bei Feuer oder Rauch?
Rufen Sie 112. Betreten Sie keine verqualmten Räume. Brandgase können tödlich sein. Schließen Sie Türen zum Brandraum, wenn das gefahrlos möglich ist. Löschen Sie nur, wenn Sie sich dabei nicht selbst gefährden.
Sollten Sie sich in einem verrauchten Raum befinden: Sofort verlassen! Lassen Sie die Suche nach einem Schlüssel oder der Geldbörse sein, das eigene Leben ist wichtiger. Bewegen Sie sich am besten kriechend fort, da giftige Brandgase nach oben steigen. Schon wenige Atemzüge können lebensgefährlich sein.
Sollte eine Flucht nicht möglich sein, weil Räume oder das Treppenhaus verraucht sind oder das Feuer Sie eingeschlossen hat: Schließen Sie alle Türen zwischen sich und dem Feuer. Ihr Ziel sollte dann ein außenliegender Raum mit Fenster sein. Sofern möglich: Dichten Sie Türritzen und Schlüssellöcher mit nassen Handtüchern ab, damit so wenig Rauch wie möglich austreten kann. Erst dann öffnen Sie ein Fenster und rufen Sie die Feuerwehr bzw. um Hilfe.
Was ist, wenn Menschen verschüttet sind?
Rufen Sie Hilfe und warten auf das Eintreffen der Einsatzkräfte. Wenn möglich, leisten sie Erste Hilfe, indem Sie Blutungen stillen und die Atemwege freihalten. Aber: Bewegen Sie verletzte oder eingeklemmte Personen nur, wenn es sicher und unbedingt notwendig ist. Metallteile oder Trümmer können im Körper stecken oder Verletzungen sogar stabilisieren. Falsche Bewegungen können dann zusätzlichen Schaden anrichten.
Wenn Sie selbst eingeschlossen sind, machen Sie durch Rufen oder Klopfzeichen auf sich aufmerksam. Folgen Sie den Anweisungen der Einsatzkräfte.




